Avifauna

An der Reserva Grota do Angico gibt es zahlreiche Gelegenheiten, Vögel zu beobachten. Diesesmal bin ich mit einem sehr guten Bestimmungsbuch (Link folgt), Fernglas, Teleobjektiv und sogar Stativ ausgestattet, um als Laie wenigstens ein bisschen auf diesem Gebiet kennenzulernen.

Das Highlight war ja bereits der Gabelschwänzige Fliegenschnäpper in Campinas, der dort am Unicamp-Gelände herumflog. Aber auch die Kolibris, von denen es hier auf der Naturdenkmalsfläche wohl 4 verschiedene Arten gibt, sind immer wieder schön anzusehen.

Lucid Keys

Wer (zumindest von den LÖKs) wollte nicht schonmal einen Bestimmungsschlüssel selber machen, indem dann alle „guten“ Merkmale drin stehen, die man im Rothmaler vergeblich sucht? Und der vielleicht sogar dieses mühselige Schritt-für-Schritt eines dichotomen Schlüssels überwindet, indem einfach die Merkmalskombination direkt zur Art führt? Mit Lucid-Keys ist das möglich:

http://www.lucidcentral.com/en-us/software/lucid3.aspx

Da sitze ich nun dran um für die rund 100 Gattungen in ca. 40 Familien, mit denen ich es im Gelände zu tun hatte, nachträglich einen Bestimmungsschlüssel zu bauen.

Im Uhrzeigersinn: Varronia [Cordia] globosa Jacq. (Boraginaceae), Jatropha mutabilis (Euphorbiaceae), Poincianella pyramidata (Fabaceae), Serjania [comata] glabrata Kunth (Sapindaceae), Melocactus zehntneri (Cactaceae), Diplopterys lutea (Malpighiaceae), Neoglaziovia variegata (Bromeliaceae), Solanaceae, Mitte: Anadenanthera colubrina (Fabaceae), die namensgebende Art für die „Grota do Angico“.

Campinas

Vor 4 Jahren auf dem Botanischen Kongress in Manaus (http://terrafirme.blogsport.de/2010/09/07/scientventure/) habe ich bei dem Botaniker-Ehepaar Maria do Carmo und Volker einen „Mini-Curso“ mitgemacht. Der Kurs ging die ganze Woche, immer früh vor dem Kongress haben die beiden den teilnehmenden Biologie-Studentinnen und Studenten gezeigt, wie sich mit einem relativ einfachen Programm Online-Bestimmungsschlüssel erstellen lassen. Später, als ich zurück nach Manaus gekommen bin um zu schauen, welche Optionen für eine Doktorarbeit Mike Hopkins zu bieten hat, habe ich die beiden und ihren Sohn Markus im NP von Viruá wieder getroffen (http://terrafirme.blogsport.de/2011/01/15/das-mehrgenerationen-forschungscamp/).

Als das INNOVATE-Projekt begann (http://terrafirme.blogsport.de/2012/03/10/tropical-pillnitz/), hatte ich endlich eine Möglichkeit gefunden, in einem relativ sicheren Rahmen zu promovieren – allerdings nicht im Amazonas-Regenwald, sondern in der Caatinga. Doch auch hier entwickelten sich die Rahmenbedingungen etwas anders, als erwartet, so dass ich nach Caatinga-WissenschaftlerInnen außerhalb des INNOAVTE-Projekts gesucht habe. Auf Anfrage vermittelten mir Volker und Maria den Kontakt zu Prof. Adauto in Aracajú. Dort in Sergipe konnte ich schließlich 2013/14 umfangreiche Felduntersuchungen in der MONA starten (http://terrafirme.blogsport.de/2013/12/12/mona-grota-do-angico/).

Nun bin ich im Dezember bei Maria und Volker in Campinas und der Unicamp zu Besuch, um die dort in Sergipe (und auch Pernambuco) fotografierten und bestimmten Arten in einen Online-Bestimmungsschlüssel einzuarbeiten. Vorbereitungen für diese Reise konnte ich kaum treffen, da für das Bergwiesen-Projekt und besonders die dieses Jahr erfolgte FFH-Kartierung noch die Abgabe der Daten und des Abschlussberichts zu leisten war – was mehr Zeit gekostet hat, als erwartet. Aber jetzt lege ich den großen Schalter im Kopf um, von Polygono-Trisetium und Violo-Nardetum auf SDTFs (Seasonally dry tropical forests), auf Trockenheit und Sukkulenten, Biomasse und den Datenberg vom letzten Mal.

Schon allein hier im Privat-Büro der beiden zu Hause zu sitzen, umgeben von all den Büchern die ich aus den Herbarien in Braganca oder dem INPA, oder zuletzt Recife und Aracajú kenne – nur dass es hier noch viel mehr zu sein scheinen – läßt mein Herz höher schlagen. Ein paar davon konnte ich ja schon importieren, aber was nützt die schönste Tropenbotanik-Bibliothek, wenn nicht die Arten dazu vorm Fenster wachsen?

Kongress der grössten sozialen Bewegung Brasiliens: 15.000 MSTler in Brasilia

Von Montag bis Freitag vergangener Woche (09.-14.02.2014) fand in Brasilia neben dem Stadium, in einer riesigen runden Sporthalle der 6te Kongress der Landlosen-Bewegung Brasiliens statt.

http://www.mst.org.br/

MST = Moviemento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra. Höhepunkt dieser Versammlung und gleichzeitig 30-Jahrfeier der Bewegung war ganz klar die Demonstration am Mittwoch nachmittag, an der die grosse Mehrheit der anwesenden Delegierten teilnahm. Die Demo führte auf einen zentralen Platz vorbei an den Monumenten bzw. Sehenswürdigkeiten Brasilias, entlang einer sechs-spurigen Strasse (eine Richtung) sozusagen direkt in die Steuerzentrale des Piloten – Brasilias Stadtplan ist ja im Zentrum einem Flugzeug nachemfunden. Dort wurden innerhalb kürzester Zeit etwa 15-20 Baracken gezimmert und mit schwarzer Plane verkleidet.
Diese Behausungen stehen symbolisch für einen wesentlichen Teil der Arbeit des MST: Land zu besetzen in der Hoffnung, später darauf arbeiten d.h. Lebensmittel für eine Subsistenzwirtschaft produzieren zu können. Diese Landbesetzungen sind natürlich nicht unumstritten.
Meine wesentliche Motivation, am Kongress teilzunehmen, war es, von den Mitgliedern der Bewegung selbst zu hören, wie sie ihre Ziele und Erfolge innerhalb des MST einschätzen. Zu hören und zu sehen, ob die Vorurteile, denen man hier in Sergipe häufig begegnet, begründet sind, oder nicht.
Der Kongress hat vor allem bewirkt, dass ich ein differenzierteres Bild von den „Sem Terras“ habe, als vorher. Der ganze breite Fokus, der sich in der Eigendarstellung im Internet zwar schon findet – Bildung ist genauso ein wichtiger Teil wie die Integration von Alt und Jung, von den Menschen, die es schon in die Siedlungen (die sog. Assentamentos) geschafft haben (d.h. die nicht mehr ohne Land sind), oder die internationale Zusammenarbeit mit Bewegungen, die ähnliche Ziele verfolgen, z.B. Via Campesina oder CLOC, beides Dachverbände für kleinbäuerliche Organisationen. Ein Delegierter, mit dem ich gesprochen habe, hat es auf den Punkt gebracht: O movimiento vôce vai conhecendo só com o tempo. Die Bewegung lernst Du nur mit der Zeit kennen. Und dazu gehört eben auch, die politische Zeit, die Landschaft der Akteure kennenzulernen, innerhalb der die Bewegung agiert. Trotz fünf Jahren Brasilien-Erfahrung fehlt mir dazu noch eine Menge Hintergrundwissen.

Flora de Sergipe

Es sieht immer mehr danach aus, als könnte ich in der zweiten Hälfte meiner Doktorarbeit einen Beitrag zu diesem Projekt leisten. Gestern war ich an der Uni und habe Material ins Herbarium gebracht, und dabei den ersten Band der Flora de Sergipe geschenkt bekommen. Prof. Adauto und Volker habe ich auch schon mein Interesse bekundet, und wir werden sehen, was sich am Montag noch in die Wege leiten läßt. Es kommt mir auf alle Fälle sinnvoller vor, wieder in der Caatinga zu arbeiten, als für den Cerrado quasi bei Null anzufangen mit Literatur-Recherche, Kontakten aufbauen, Struktur suchen und Fragestellung sowie Untersuchungsgebiet auswählen… Nun ist erstmal Wochenende, ich wohne bei Dani und Fred, zwei Post-Docs die schon fast überall in Brasilien herumgekommen sind im Laufe ihrer akademischen Karriere. Sie untersucht mit Jagd und Wilderei, er arbeitet mit Wild-Bienen (Solitär-Bienen).